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Biomasse Holz






Der erste von Menschen extern (also nicht als Nahrung) genutzte Energieträger war trockenes Pflanzenmaterial, insbesondere Holz. Daran erinnert auch der Mythos von Prometheus, dem halbgöttlichen Feuerbringer. Mit dem Feuer wurde es möglich, Nahrung besser zu nutzen. Auch konnten so neue Lebensregionen mit weniger angenehmer Witterung erschlossen werden. Dass Raubtiere Feuer scheuen, dürfte gleichfalls von Bedeutung gewesen sein. Die Menschen haben nach bisherigen Erkenntnissen Feuer auch sehr früh, im Paläolithikum, bereits für die Jagd eingesetzt (Goudsblom 1995, "Feuer und Zivilisation"). Später dann auch für Brandrodungen zur Siedlungs-, Acker- und Weideflächengewinnung.

Die ersten menschlichen Begegnungen mit dem Feuer waren Steppen- und Waldbrände durch Blitzeinschlag, Vulkanausbrüche oder Selbstentzündung organischen Materials. Glutreste solcher Feuer wurden aufbewahrt und weiter genährt mit Brennmaterial. Dafür gibt es erste Belege durch Feuerstellen von Frühmenschen in Südafrika, die 1,5 Millionen Jahre zurückliegen. Doch nach bisherigen Erkenntnissen wurden erst vor etwa 100.000 Jahren die verschiedenen Techniken des Feuermachens entwickelt.



 


Historische Waldvernichtungen

Allgemein bekannt ist die Verkarstung der Landschaften im Mittelmeerraum als Folge intensiver Abholzungen in der Antike. Schon früher, in der jungsteinzeitlichen Phase des ersten Ackerbaus, kam es allerdings zu massiven Landschaftsveränderungen im Gefolge menschlicher Holznutzung und Flächenrodung. Wenig bekannt ist, dass Waldvernichtungen nicht nur für Verkarstung und Steppen-/Wüstenbildung verantwortlich ist, sondern z.B. auch für die Ausbreitung der Tuntra in Russland.

Wir können die Geschichte der Waldvernichtungen durchaus beginnen lassen "bei Adam und Eva". Der Paradiesesmythos erzählt uns von einem fruchtbaren Garten, den die Menschen durch eigenes Verschulden zerstört haben sollen. Es gibt durchaus plausible Überlegungen dazu, dass mit diesem Bild die frühen mesopotamischen Kulturen gezeichnet sind, die sich die eigene Lebensgrundlage vernichteten durch Überbevölkerung und die Abholzung der Wälder im Umkreis des "Paradiesgartens" - mit der Folge, dass die landwirtschaftlichen Anbauflächen austrockneten und durch Sandeintrag aus den ehemaligen Waldgebieten verweht wurden. Dem wurde im zweiten Entwicklungsschub ab dem 4. vorchristlichen Jahrhundert mit komplexen Bewässerungssystemen begegnet, die dann zur Bodenversalzung führten. Ob diese ursächlich für den Niedergang der Kulturen des Zweistromlandes in der Spätantike wurden, ist strittig.

Noch vor Adam und Eva (sofern wir nicht der These folgen, Adam und Eva stünden für die frühen Sammler- und Jägergesellschaften) haben im Paläolithikum Jägergesellschaften mit Flächenbränden das Wild vor die Speere getrieben. Wieweit es dabei auch in nennenswertem Umfang zu anthropogener Waldzerstörung kam, ist nicht bekannt.

Mit den massiven regionalen Bevölkerungsanstiegen vor etwa 10.000 Jahren und dem damit verbundenen Übergang zu Ackerbau, Viehhaltung und größeren Siedlungsverbünden - nach Mark Cohen führte die Bevölkerungsentwicklung zur Übernutzung der Jagd- und Sammelressourcen, andere Autoren sehen ein gegenteiliges , Kausalitätsverhältnis - kam es dann zu ersten anthropogenen Landschaftsveränderungen in erheblichem Umfang, auch zu großflächigen Waldrodungen. Der Wald wich Ackerflächen und Siedlungen, lieferte Baumaterialien, Brenn- und Werkstoff. In semiariden und trockenwarmen Gebieten hatte dies teilweise fatale Konsequenzen, führte zu Grundwasserabsenkungen, Versteppung und Wüstenbildung oder unterstützte diese zumindest.

In der Antike kam es dann zu den Waldzerstörungen im Mittelmeerraum, deren Folgen wir heute als "typische" Landschaft des Mittelmeerraums mit weiträumiger Verkarstung kennen. Beteiligt daran waren die unterschiedlichsten Reichsbildungen. Überwiegend geschah dies für den Bedarf der griechischen, dann der römischen Großmacht. Natürlich waren auch andere Mächte beteiligt, Ägypten, das Perserreich, die Phönizier, Karthago. Der Holzbedarf entstand durch Schiffsbau, Militärtechnik und -bau, Siedlungsbau, Brennwesen und die komfortable Warmwasserversorgung des römischen Reiches. In Platons "Kritias" wird allerdings reklamiert, die Verkarstung in Griechenland sei auf Erdbeben und sintflutartige Regenfälle lange vor der griechischen Antike, wie wir sie kennen, zurückzuführen (111a, 112a).

In der Barockzeit war Mitteleuropa in großen Teilen entwaldet für den Städtebau, zusätzlich durch den Neuaufbau nach dem dreißigjährigen Krieg, für prunkvolle Schlossanlagen, Schiffsbau, Manufakturen, eine neue Konjunktur im Bergbau, energieintensive Salinen und den Heizbedarf. Der letztere war in Folge zurückgehender Temperaturen in der "kleinen Eiszeit" vom 15. bis zum 19. Jahrhundert bei gleichzeitigem Anstieg der Ansprüche vor allem in den oberen Schichten massiv gestiegen. Im 19. Jahrhundert wurden die Waldbestände erneut über den Aufwuchs hinaus beansprucht durch den Holzbedarf der Industrialisierung. Mit dem Umstieg auf die Kohle als Brennstoff im Industriebereich und später auch in städtischen Wohnbauten wurde zumindest von dieser Seite der Druck vom Wald genommen.

Dennoch muss die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert weltweit als eine Zeit erneut massiver Holzeinschläge angesehen werden - nicht zuletzt durch den Bedarf des Eisenbahnnetzes, das Europa und Amerika zu überziehen begann.


Literaturempfehlung: Wolfram Siemann (Hrsg.), Umweltgeschichte. Themen und Perspektiven, München: Beck, 2003






"Der russische Wald"

Beispielhaft beschreibt Leonid Leonow in seinem Dokumentarroman "Der russische Wald" (hier zitiert nach der Ausgabe von 1966) für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts den Prozess und die Folgen von Entwaldungen - mit zahlreichen Rückblicken in die früheren Waldvernichtungen in Russland. Wie Leonow darstellt, führten die Abholzungen seit Peter dem Großen je nach Region zur Ausbreitung der Tundra, Verschlammung von Flüssen, Grundwasserabsenkungen.

Leonid Leonow hat ein Grundwerk zum Nachhaltigkeitsdiskurs geschrieben, das kaum jemand im Westen kennt. Dazu dürfte beigetragen haben, dass er sein Werk als staatlicherseits anerkannter Autor in der Sowjetunion schrieb, dass er den Sozialismus bei aller differenzierter Kritik an ideologischer Verbohrtheit und korrumpierten Funktionären positiv darstellt und dass er sich - wenngleich auch nur gelegentlich - auf Lenin und Marx beruft. Auf Deutsch erschien der Roman in der DDR und in Nachdrucken im Röderbergverlag Frankfurt/Main.

Es lohnt sehr, dieses opulente, faktenreiche, lebensnahe (sieht man von gelegentlich stark propagandistischen Darstellung ab) und gedankentiefe Werk erneut zu lesen, zu studieren vor dem Hintergrund der aktuellen Nachhaltigkeits- und Klimadebatten. Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem leidenschaftlichen Förster und Nachhaltigkeitsapologeten Iwan Matwejitsch Wichrow und seinem Gegenspieler, dem Forstfunktionär Alexander Jakowlewitsch Grazianski, muten bisweilen an wie Blaupausen aktueller Polemiken. Gelegentlich reibt man sich irritiert die Augen und schaut zur Sicherheit nochmal genau nach, wann das Buch erschienen ist - doch, ja, bereits 1953. Daneben bietet das Buch auch einen wertvollen Einblick in die Gründungszeit der Sowjetunion sowie eine erhellende Sicht auf den Zweiten Weltkrieg und den deutschen Faschismus aus sowjetischer Perspektive. Die gelegentlichen propagandistischen Einschübe und Färbungen reduzieren den Gesamtwert des Buches keineswegs. Das Buch erschien kurze Zeit nach Stalins Tod, enthält weder Stalinhymnen noch erkennbare Distanzierungen von dessen Politik. Dass Stalins Apparat möglicherweise die von Wichrow im Buch vertretene Position unterstützte, wird vom Autor angedeutet ("von höherer Stelle", S. 486).

Die Hauptfigur Wichrow warnt vor "schädlicher Klimabeeinflussung" (S. 343) und "Klimaschädigungen" (S. 466) durch Kahlschlagpolitik im Wald. Grazianski hält dem zynisch Heraklit entgegen, dem zufolge sich auch das Klima beständig wandle (S. 466f). Heraklit wird heute z.B. von Wolfgang Kühne zitiert, um den menschlichen Beitrag zur Klimaerwärmung in Frage zu stellen. Dabei wird Bezug genommen auf das "panta rhei", "alles fließt" - nach Platon Kern der Lehre des Heraklit.

Als Wichrow von Grazianski der Prozess zur Amtsenthebung gemacht wird, erläutert der kahlhäuptige Grazianski-Anhänger Tschik, auch ein kahlhäuptiger Planet sei keineswegs eine ihn schreckende Vorstellung, schließlich sei die Entwaldung gleichbedeutend mit dem Schritt des Menschen vom Wilden zum Homo Sapiens, Entwaldung sei Zivilisation (S. 480f). Gelegentlich kann man das heute hinter vorgehaltener Hand auch zum Regenwaldverlust hören.


Literaturempfehlungen:
 
Leonid Leonow, Der russische Wald, Berlin-Ost: Verlag Kultur und Fortschritt, 1960 (zuerst russ. unter dem Titel "Russkij les" 1953)
Douglas Weiner,
Models of Nature. Ecology, Conservation and Cultural Revolution in Soviet Russia, Indiana University, 1988
Stephen Brain, Song of the Forest. Russian Forestry and Stalinist Environmentalism, Pittsburg 2011






Verkarstung, Verwüstung, Versteppung, Tundrabildung

Fast alle europäischen Landschaften, auch die von Touristen besonders geschätzten, sind durch menschliche Eingriffe in ursprüngliche Waldvorkommen entstanden. Die Gartenlandschaft der Toskana war einst ebenso von Wäldern überzogen wie das Ruhrgebiet, die Karstgebiete Serbiens und Kroatiens ebenso wie die Weiden der Alpen. Selbst die Sahara ist nicht alleine durch klimatische Veränderungen im Gefolge der Erdumlaufbahn zur Wüste geworden, sondern - zumindest in ihrer Ausdehnung - wohl auch durch Abholzungen im Savannengürtel.

In einem der aus historischem Interesse bedeutendsten Dialoge Platons, "Kritias", wird von den "mannigfachen Vernichtungen der Menschen" berichtet, die durch Feuer und Wasser verursacht worden seien. Darin wird auch auf Ereignisse planetarischen Ausmaßes hingewiesen, verursacht durch eine "Abweichung der am Himmel um die Erde kreisenden Sterne" - worin wir den Hinweis auf Meteoriten- oder Asteroideneinschläge lesen könnten (22c,d). Auf einen ungeheuren Vulkanausbruch deutet die Schilderung des Atlantis-Mythos hin (25d) - der auch im Dialog "Timaios" angesprochen wird (dort 25a). Aber auch menschliche Einflüsse, anthropogene Katastrophen werden angesprochen - zumindest wird dies in der Ökologiegeschichtsschreibung so gedeutet, etwa bei Gottfried Zirnstein 1994, S. 27. Ganz zum Ende des Dialogs (111b,c) beschreibt Platon die Abschwemmung von Erde in Attika und führt zum vorherigen Zustand aus: "Berge bekränzten dichte Waldungen". Die Abholzung dieser "dichten Waldungen" könnte den Abtrag des Bodens verursacht haben. Was blieb, nennt Platon "Knochen des erkrankten Körpers" und den "hageren Leib des Landes". Bildkräftig wird hier Verkarstung beschrieben. Allerdings macht Platon selbst die Menschen Attikas nicht dafür verantwortlich, deren Wirtschaften beschreibt er als vorbildlich. Als Ursache werden bei ihm Erdbeben und Überschwemmungen benannt (112a).






"Pleistocene Overkill" und Brandrodungen


Eine umstrittene These ist die vom "Pleistocene Overkill", der Ausrottung der Großsäuger vor allem in Nordamerika durch menschlichen Bejagung.

Als ein Element dieses "Overkill" werden systematisch gelegte Brände als Bejagungshilfe angenommen, die auch Waldflächen vernichtet haben. Es ist allerdings schlechterdings unmöglich, in der historischen Analyse zu entscheiden, wie weit geologische Brandzeugnisse auf menschlichen Einfluss oder z.B. auf Blitzeinschläge zurückzuführen sind. Höhlenmalereien, die eine Jagd mit Feuerunterstützung belegen, sind nicht bekannt.

Großsäugern wird heute eine wichtige Funktion bei der Ausbreitung von Wäldern zugesprochen durch Saatgutausbreitung, Düngung und selektiven Druck. Bislang dominierte ja die Auffassung, Großsäuger seien primär für das Zurückdrängen von Wäldern, das Offenhalten der Landschaft bedeutsam. Hier prägen auch unterschiedliche Interessen (Ökologen, Forstwesen, Jagdwesen) die Forschungslage, auf belastbare Darstellungen müssen wir noch warten.






Klimaveränderung

Der Einfluss des Waldes auf das Klima ist unumstritten, insbesondere auf regionaler Ebene. Strittig ist allerdings der Grad seines Einflusses auf großräumiges Klima. So mahnt Victor Hehn in "Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa" 1870: "Man überschätze auch nicht den Einfluß der Wälder auf das Klima." Diese Überschätzung sei eine aus Amerika nach Europa schwappende Mode, ein "neuer Gesichtspunkt", der "allzu ausschließlich geltend gemacht" werde (Hehn 1870, S. 6). Ausgelöst wurde die "Mode" durch Alexander von Humboldts Untersuchung zum See von Valencia 1799. Scharfzüngig weist Hehn darauf hin, die Überschätzung der Klimaleistung des Waldes verdanke sich zu seiner Zeit auch "poetischen Gemütern" sowie den jagdlichen Interessen des "feudalen Adels". Mit Blick auf die Entwaldungsklage im "Kritias" nennt Hehn Platon respektlos einen "elegischen Idealisten" (Hehn 1870, S. 5). Nach Hehn sei das europäische Klima nicht von der Bodenbedeckung abhängig, sondern "nächst der geographischen Breite von weitgreifenden meteorologischen Vorgängen, die von Afrika und dem Atlantischen Ozean bis zum Aralsee und Sibirien reichen".

Wesentlich ist vor allem der Beitrag des Waldes zum Wasserhaushalt. Wald entzieht dem Boden Feuchtigkeit und kann so feuchte Gebiete entwässern, Versumpfung und Tundrabildung einschränken. Durch die Saugwirkung seiner Wurzeln erhöht er aber auch den Grundwasserspiegel, weshalb er nicht, wie historisch gelegenentlich als "Schaden" des Waldes angeführt wird, den Boden austrocknet. Einer Austrocknung des Bodens würde ohnedies zuerst der Wald selbst zum Opfer fallen. Durch seine Wasserverdunstung trägt er wesentlich auch zur Wolkenbildung und damit zu Regenrhythmen bei. Einen weiteren wesentlichen Einfluss hat der Wald auf den Lichthaushalt, indem er Boden abschattet, mit seiner eher dunklen Kronenfläche Licht absorbiert und über die Photosynthese in den allgemeinen Photonenhaushalt eingreift. Licht- und Wasserregulation durch den Wald bestimmen auch seinen Beitrag zum Wärmehaushalt im lokalen Klima und auf dem Planeten insgesamt.

"In den uralten Widerstreit zwischen Wald und Steppe hat der Mensch tatkräftig auf seiten der letzteren eingegriffen. Es wäre Selbstgefälligkeit, die schädliche Klimabeeinflussung allein auf menschliche Autorschaft zurückzuführen, aber noch gefährlicher wäre es, sie angesichts der modernen Technik zu unterschätzen." Diese äußerst aktuelle Einsicht formulierte Leonid Leonow 1953 in "Der russische Wald".






Rodung und Kulturlandschaft

Bei aller berechtigten Klage über die oft rücksichtslosen, von kurzfristigem und meist auf kleine Gruppen beschränktem wirtschaftlichem Vorteil bestimmten Waldzerstörungen ist auch darauf hinzuweisen, dass menschliche Zivilisation und die Ausbildung einer auch ökologisch reichhaltigen Kulturlandschaft unter anderem durch Waldrodungen erst möglich wurde. Diese Kulturlandschaften sind seit einigen Jahrzehnten massiv durch die industrielle Landwirtschaft bedroht - oder wurden bereits vernichtet. Einer der ersten, der gegen eine romantisierende Waldschutzbewegung in Deutschland hierauf - selbst keineswegs ideologiefrei - aufmerksam machte, war der Kulturwissenschaftler Victor Hehn. In seinem Hauptwerk mit dem spröden Titel "Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa" von 1870 (das bis 1894 sechs Auflagen erlebte!) schrieb er: "Je weiter der Wald sich zurückzog, desto freundlicher wurde die Natur, desto mannigfaltiger ihre Gaben an Kräutern und Früchten" (Hehn 1870, S. 4). "Waldzerstörung ist eine Phase, aber nicht das letzte Wort der Kultur." (Hehn 1970, S. 4)

Viele aktuelle, für eine Region "charakteristische" Wälder sind Aufforstungen nach der Abholzung der dort einst naturwüchsigen Waldbestände, so der Schwarzwald mit seinen namengebenden Fichtenbeständen oder die "typischen" Lärchenbestände in den Schweizer Alpen.






Wie "nachhaltig" ist die Nutzung von Holz als Energieträger?

Das Nachhaltigkeitskonzept wurde historisch zuerst in der Forstwirtschaft entwickelt. Das ist inzwischen allgemein bekannt und wird von der Forstwirtschaft auch gerne und oft zu PR-Zwecken vorgetragen.

Erinnern wir uns: Ohne den Übergang von der Holznutzung zur Kohle als Energielieferant hätten wir im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa alle Wälder verloren. Und Leonid Leonow lässt seinen Helden in "Der russische Wald" über den Begriff "Brennholz" zu seinen Studierenden sagen: "möge es für Sie, junge Forstleute, kein gemeineres und sinnloseres Wort als dieses geben!" S. 339. Wobei er nicht der Meinung ist, Holz solle grundsätzlich nicht verbrannt werden. Er will lediglich sagen, dass es zu Heizzwecken genügend Abfallholz und Holzspäne gebe, dass man nicht eigens Bäume zum Verheizen fällen müsse. Wie es heute erneut in großem Umfang in Europa geschieht, mit Deutschland als Vorbild, mit dem Argument des Klimaschutzes.






Problematik Feinstaub Umweltbundesamt
                  Feinstaubbelastungen nach Quellen

Wer Holz als alternativen Heizstoff für die Privatheizung anpreist, muss sich auch der Feinstaubproblematik stellen. Wie die nebenstehende Tabelle des Umweltbundesamtes zeigt, überstieg 2009 die Feinstaubbelastung aus Heizungen in Deutschland erstmals die Belastung durch den Verkehr. Nicht zuletzt verdanken wir dies Fehlentwicklungen in der Klimaschutzpolitik, die zu einer massiven Zunahme der Nutzung von Holz als Brennstoff geführt haben. Ein weiterer Faktor dürfte die ins Breite gehende Leidenschaft für offene Kaminfeuer im Wohnzimmer sein, angefacht durch Baumärkte und Heizungsbauer. Die Entwicklung ist teilweise dramatisch und führt lokal bis regional zu Bedingungen, die an die Wirtschaftswunder-Zeit erinnern, als man Wäsche im Winter nicht auf dem Balkon trocknen konnte, da sie hinterher vom Kohlerauch verschmutzt war und stank.

Vorschriften zum Einbau entsprechender Filter in Holzheizungsanlagen gibt es längst, die Kleinfeuerungsanlagenverordnung trat 2010 in Kraft und seit 2015 gelten strengere Grenzwerte. Doch die Befreiungsliste, die Ausnahme-, Übergangs- und Bestandsschutzregelungen sind umfangreich, die Eigenschaften von Holzbrandöfen verleiten strukturell zu Missbrauch (Verbrennung von Abfall, lackiertem Holz, beschichtetem Papier etc.). Wer im Winter durch Schwarzwalddörfer reist, sieht/riecht, wie ineffektiv die Maßnahmen sind - auch wenn die Tabelle einen massiven Rückgang ab 2010 zeigt. Berücksichtigt werden muss, dass es 2008/09 und 2009/10 ungewöhnlich strenge Winter gab. Allerdings beginnt der Anstieg der Feinstaubbelastungen aus Holzheizungen (der den Anstieg bei den Heizungen insgesamt weitgehend alleine verantworten) bereits 2007. 2006 wurde das Marktanreizprogramm Erneuerbare Energien mit der Förderung von Holzbrand verabschiedet. Erfolgreich, wie man sieht - mit den Feinstaubemissionen als Kollateralschaden.






Holzvergaserantrieb

Eine besonders erstaunliche Blüte treibt die Klimaschutzdebatte zur Holznutzung mit Ideen zur Wiederbelebung des Holzvergaserantriebs für Personenkraftwagen. Vorläufig werden diese Ideen allerdings nur von Laien vorgetragen.